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WACKEN OPEN AIR 1998
07. und 08. August
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Aus großer Höhe sahen die beiden Raben Odins auf einen kleinen Pulk langhaariger, schwarzgekleideter Menschen herab, die am 06. August dieses Jahres voller Vorfreude diverse Paletten mit Dosen, Tabak und anderen unförmigen Gegenständen in insgesamt acht Autos luden. Von Buxtehude aus begleiteten sie diese Verrückten über die Autobahn nach Wacken, wo im Gegensatz zum Freitag, zum Glück für alle Beteiligten, noch keine Polizeikontrolle stattfand. Die Ankunft der Autokolonne erlebten die Raben noch, doch dann zogen sie es vor, den kleinen Trupp alleine Ihre Zelte im mittlerweile strömenden Regen aufbauen zu lassen. Aus der Ferne hörten sie noch das Wehgeschrei der völlig durchnäßten Christenhasser, daß erst nach einiger Zeit verstummte, als die Erleuchteten das trockene und warme Partyzelt auf dem Gelände fanden und sich vollaufen ließen.
Nachdem ich am
Freitag gegen 10 Uhr aufwachte, machte ich mich mit ziemlich
flauen Magen daran, das totale Chaos in unserer Zeltburg
auszuspähen. Von 12 Zelten hatte der verdammte Orkan etwa 1/4
unbeschädigt gelassen und so zog ich es vor, daß Gelände
erstmal mit cyNic zu erkunden.
Was mir neben dem Partyzelt letzte Nacht gar nicht aufgefallen
war, war die Vielfalt an Imbißständen, Duschen (ganze drei
Stück) und Toiletten (ca. 20). Daneben fiel natürlich noch die
kilometerlange Schlange vor der Bandausgabe auf, wobei jedoch
endlich mal Stoffbänder benutzt wurden und keine aus Papier.
Bei Ausgabe der Playlists fielen gleich einige Ungereimheiten
auf: KREATOR und NEVERMORE waren nicht mehr darauf vertreten.
Schon mal ärgerlich, aber es kam noch dicker! STIGMATA IV und
VOIVOD spielten ebenfalls nicht!! Das war natürlich ein toller
Beginn, besonders weil am Freitag für Death/Black Enthusiasten
sowieso nicht gerade viel abging. Dafür gab es um 16.00 Uhr
gleich den Doppelschlag: GOD DETHRONED auf der W(acken)
E(xperimental) S(tage) und ARCH ENEMY auf der Party Stage. Nun,
ich entschied mich unglückseligerweise für erstere und war
schon eine Viertelstunde eher da, um bloß vorne zu stehen. Eine
Prog Band daddelte ein bißchen langweiligen Kram und überzogen
Ihre Zeit erstmal um eine Dreiviertelstunde (!). Die Menge wurde
nun langsam ungeduldig und um 16.45 Uhr, nach einer Stunde des
Wartens, bequemte sich endlich mal jemand vom Personal auf die
Bühne um uns lapidar mitzuteilen, daß
"...wir ja sicher schon alle
mitbekommen hätten, daß GodSEND nicht spielen würden und wir
uns dafür auf die 14-jährigen Kinder von ED GUY freuen
dürfen." Toll Wacken! Richtig toll!!! Wie wäre es, daß
wenigstens mal früher bekanntzugeben??? Die Stimmung im Mob war
jedenfalls dementsprechend und ein ziemlicher Schrank mit Glatze
und God Dethroned Shirt knüppelte erstmal zwei Ed Guy Idioten
um, die meinten die dicke Lippe riskieren zu müssen. Richtig so!
Das KRABATHOR wirklich kamen und das auch noch pünktlich,
überraschte mich doch dann ziemlich... Dafür ging es dann
RICHTIG ab und zwar den ganzen Set über im rappelvollen Black
Stage Zelt. Irgendwas mußte natürlich die Stimmung trüben,
diesmal waren es 4 Ordner, allesamt von der Security Frankfurt,
die scheinbar etwas irritiert aufgrund der Resonanz zu KRABATHOR
in die Menge reinknüppelten oder Leute rauszogen, um sie neben
der Bühne ordentlich zu vermöbeln. Bei der angeheitzten
Stimmung hätte es mich nicht gewundert, wenn die Menge auf diese
Spinner losgegangen wär...
Jedenfalls waren KRABATHOR richtig geil und das machte Appetit
auf mehr! Natürlich spielten CRADLE OF FILTH und CHILDREN OF
BODOM gleichzeitig, da die Herren vom Wacken anscheinend gar
nichts mehr zu merken schienen. Nach Aussage von cyNic waren
CRADLE trotz matschigen Sounds solide, wenn auch nicht besonders
spektulär. CHILDREN OF BODOM haben es dagegen tatsächlich
geschafft, mich zu überzeugen. Trotz negativer Grundeinstellung
(Ablaze Review...) bin ich mit stark verbesserter Laune zum Zelt
zurückgegangen, da C.O.B. doch sehr überzeugend waren und auch
das Publikum gut zum ausrasten brachten.
BENEDICTION sollen nach mehreren Aussagen richtig gut gewesen
sein, ich konnte sie leider nicht sehen, weil ich meinen
Alkoholpegel auffrischen mußte, und das ging nur beim Zelt...
:-(
Der Rest vom Tag war eh nur noch Dreck (JBO, WARRIOR,
CREMATORY....), GODDESS OF DESIRE konnte ich um halb 2 nachts
nicht mehr sehen, sie sollen aber den gleichen Set wie beim
Dynamo 97 geboten haben. Also ruhig sehenswert...
Der Samstag sollte jedoch alle negativen Emotionen vom Freitag
wegwischen, hatten sich doch mittlerweile statt der geplanten
10.000 Hoschis schon über 20.000 eingefunden, die die 20
Toiletten belagerten. Es gab zum Glück immer noch ein Maisfeld
nebenan, was später aber eher ein Minenfeld war.
Nach einem völlig verkorksten Beginn (LACUNA COIL um 10.45 Uhr)
rüttelten BORKNAGAR um 12.30 Uhr die ganze Belegschaft wach und
gaben nahtlos an OLD MAN'S CHILD ab, die zwar ohne "Mean
Gene", dafür aber mit superber Songauswahl dienen konnten.
Einen besseren Anfang hätte sich wohl niemand wünschen können,
auch wenn das Zelt viiiieeel zu voll war. RAISE HELL hab ich
leider verpasst, sie sollen aber mit Gasmasken auf die Bühne
gestürmt sein, hahaha... Na, was man von 18jährigen halt nicht
erwarten kann, liefern SADIST nach. Technisch perfekt! So möchte
ich auch gerne Gitarre spielen können... Allerdings hätten sie
ruhig einen Song von der "Above the Light" spielen
können. Sei's drum, AGATHODAIMON brachten ihr Material laut
cyNic gut rüber, bei "Tristetea Vehementa" tobte der
Mob sogar. HADES NORWAY hat irgendwie niemand gesehen, den ich
kenne, dafür aber America's Best ICED EARTH. Ich kann mit Fug
und Recht behaupten, so etwas noch nie erlebt zu haben. Der
gesamte Platz war total voll mit Leuten, die Stimmung war
überwältigend und die neue ICED EARTH Scheibe hätte besser
nicht sein können: Schnell, agressiv, melodisch; Alles ging so
unglaublich ab, daß sich der Sänger zu "Deutschland,
Deutschland" Sprechchören hinreißen ließ (jaja, die
Amis...) und das europäische Publikum in ungeahnte Höhen lobte.
Schnell rüber zu VADER gehetzt, dem Grund warum ich überhaupt
auf dem Wacken war, und VADER enttäuschten natürlich nicht.
"Das ist Krieg..." hab ich noch vom Sänger im Ohr, als
ihn hunderte Mosher mit "Vader, Vader" Sprechchören
begrüßten und die W.E.T. Stage wirklich zu einem
Kriegsschauplatz machten. Ich dachte nach dem Konzert, daß ich
mir alles mögliche gebrochen haben müßte, aber es war doch
alles okay.
Ausruhen war jetzt angesagt, denn COVENANT konnte ich mir einfach
nicht mehr antuen und auch GORGOROTH waren nach ordentlichen Set
schon vorbei.
Um 01.00 Uhr morgens hieß es sich dann noch mal aufraffen, um
einen genialen Set von HYPOCRISY zu bewundern, der sich quer
über alle Alben erstreckte. Sehr überzeugend! Mittlerweile war
es dann auch schon egal, wie spät es war, also schaute ich mir
noch IN EXTREMO (nicht schlecht, aber halt kein Metal) und TOM
ANGELRIPPER an, der einen würdigen Abschluß hinterließ. Er
kotzte nämlich voll auf die Bühne... Tja, wer's nicht
verträgt... Jedenfalls war die Bühne besetzt von
sturzbetrunkenen Fans und als dann um 03.15 Uhr Feierabend war,
wurde hier und da noch bis weit in den Morgen gefeiert um dann
die Rückreise anzutreten.
Wacken '99, wir kommen wieder! Allerdings solltet Ihr nicht so'n Scheiß machen wie am Freitag und sechs Bands sollten nächstes Mal auch nicht unbedingt ausfallen.
Warhead